Die Entstehung der dänischen und norddeutschen Rinnentäler (Tunneltäler) -Glaziologische Gesichtspunkte

Kategorien: Glazialgeologie

Zusammenfassung

Die alte Tunneltal-Theorie (Ussing 1907) ist immer umstritten gewesen, besonders weil die so benannten Täler mehr als 1 km breit sein können. Es wurde behauptet, daß so breite Tunnel oder Hohlräume unter Gletschereis unmöglich seien. Seit 1950 haben Fortschritte in der Glaziologie (besonders Nye 1952 und Shreve 1972) bewirkt, daß die Tunneltal-Idee neu belebt worden ist. Lange und schmale Eiszungen, wie sie noch heute auf vielen Karten von Norddeutschland gezeigt werden, sind nach Nye nur in Gebirgslandschaften möglich. Dagegen entspricht Shreves Bild vom Verlauf subglazialer Wasserströme genau dem aus Dänemark, Holstein und Mecklenburg bekannten Muster von Osern und Rinnentälern. Küster & Meykr (1979) und Ehlers & Linke (1989) interpretieren die begrabenen norddeutschen Täler („incisions") als subglaziale Schmelzwasserrinnen. Bis heute fehlt jedoch eine befriedigende Erklärung der zuweilen großen Talbreite. Eine Gruppe dänischer Forscher (vor allem Humlum) hat versucht, diesem Mangel abzuhelfen. Es ergibt sich, daß ein sukzessives Entstehen die wahrscheinlichste Lösung ist. Im Winter, wenn wenig Schmelzwasser anfällt, preßt das Gletschereis den Tunnel zusammen, so daß der Tunnelquerschnitt die verstärkte Wasserführung des Frühjahrs nicht fassen kann. Ein neuer Tunnel muß in den Untergrund eingeschnitten werden. Wenn sich dieser Prozeß jedes Jahr wiederholt, ist das Resultat eine breite Talsohle. Es wird gezeigt, daß die Morphologie dänischer Tunneltäler bis in alle Einzelheiten durch diesen Vorgang erklärt werden kann, und daß eine entsprechend detaillierte Erklärung durch keine der bis heute angebotenen alternativen Theorien geboten werden kann.
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