Vulkane – Ihre Überwachung und Nutzung als geophysikalische Labore

Hort, Matthias ORCIDiD
Eibl, Eva P. S. ORCIDiD
Walter, Thomas R. ORCIDiD
Deutsche Geophysikalische Gesellschaft e.V.

DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-dgg100-08
Is part of: 10.23689/fidgeo-dgg100-01
Hort, Matthias; Eibl, Eva P. S.; Walter, Thomas R., Deutsche Geophysikalische Gesellschaft e.V. (Ed.),2024: Vulkane – Ihre Überwachung und Nutzung als geophysikalische Labore. In: Mitteilungen / Deutsche Geophysikalische Gesellschaft; 1/2024, Deutsche Geophysikalische Gesellschaft e. V. (DGG), DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-dgg100-08. 

Abstract

Ohne vulkanische Aktivität auf der Erde gäbe es keine Kontinente, keine Plattentektonik, möglicherweise keine Atmosphäre, wie wir sie kennen, und somit auch kein Leben. Vulkane sind also ein integraler Bestandteil des Systems Erde und beeinflussen unser Dasein bis heute, wobei sie zugleich Fluch und Segen sind. Zum einen bilden Böden aus vulkanischem Material aufgrund ihrer Fruchtbarkeit die Lebensgrundlage eines Teils der Weltbevölkerung (ca. 750 Millionen Menschenleben im Umkreis von 100 km um einen Vulkan). Zudem bieten Vulkane und assoziierte Geothermalsysteme eine Quelle für Energie und Ressourcen und sind immer häufiger auch touristische Ziele (Schmincke,2004). Zum anderen steigt das Risiko bei Vulkanausbrüchen durch die Zunahme der Landnutzung und Besiedlung in Vulkangebieten weiter an (siehe z. B. die Campi Flegrei im Großraum Neapel), durch die zunehmende Vulnerabilität der modernen Infrastruktur in den letzten Jahrzehnten sogar exponentiell. Von den 1500 derzeit als aktiv geltenden Vulkanen brechen im Mittel pro Jahr ca. 60 – 70 Vulkane aus (Siebert et al., 2010), weshalb das Verständnis vulkanischer Aktivität ein zentraler Bestandteil der Naturgefahrenforschung ist. Allerdings sind nur etwa 10 % der aktiven Vulkane instrumentell überwacht, weit weniger davon mit ausreichenden geophysikalischen Netzwerken. Insbesondere ist das Monitoring von Vorboten stärkerer vulkanischer Aktivität für die Risikominimierung unerlässlich und bedarf einer stetigen Verbesserung, um der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zur Mitigation von Vulkanrisiken nachzukommen.