Tektonik und Metamorphose der Plattenkalk-Serie im Taygetos (Peloponnes, Griechenland)

Manutsoglu, Emmanuil

DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-7432
Manutsoglu, Emmanuil, 1990: Tektonik und Metamorphose der Plattenkalk-Serie im Taygetos (Peloponnes, Griechenland). Berliner geowissenschaftliche Abhandlungen. Reihe A, Geologie und Paläontologie; Band 129, Selbstverlag Fachbereich Geowissenschaften, FU Berlin, 114 S., DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-7432. 

Abstract

Die parautochthone Plattenkalk-Serie des Peloponnes besteht im Taygetos-Gebirge und auf der Mani-Halbinsel vom Liegenden zum Hangenden aus den klastischen Kastania-Schichten, die keine Übereinstimmung mit den äquivalenten Schichten auf Kreta aufweisen; darüber die bekannte Hornstein-führende karbonatische Abfolge; schließlich die Vathia-Schichten, eine klastische Formation, die von den Sedimentfolgen des Westhellenischen Flyschs grundverschieden ist. Dies bekräftigt die Ansicht, daß der Sedimentationsraum der Plattenkalk-Serie am Außenrand des Ionischen Troges gelegen hat. Somit wird die Plattenkalk-Serie dem Vorland der Helleniden zugerechnet. Die gesamte Serie ist durch eine mehrphasige Einengungstektonik geprägt und synkinematisch metamorphisiert worden. Der tektonische Bau ist durch flache Überschiebungen, großräumige Überkippungen von Mulden sowie durch intensive Verschuppungen gekennzeichnet. Im Gefüge der Plattenkalk-Serie wurden drei Generationen von homoaxialen Falten unterschieden. Die Faltenachsen streichen im Nord-Taygetos N/S, im übrigen Arbeitsgebiet NNW/SSE. Mit den Faltungen waren Schieferungsprozesse verbunden. Boudins, Knickzonen und Lineationen ergänzen das tektonische Inventar. Über Ausmaß und Ablauf der Deformationsgeschichte wurden Informationen auch aus den Quarzkorngefügen und aus der Regelung der Quarz-c-Achsen abgeleitet. Eine prograde Metamorphose hat den Grenzbereich very-low-grade/low-grade nicht überschritten und wurde durch dynamische Rekristallisation von Quarzen sowie durch synkinematische Sprossung von Chloritoid dokumentiert. Mit Hilfe von Röntgendiffraktometer-Analysen von Schichtsilikaten wurde bestätigt, daß der Metamorphose-Grad im Arbeitsgebiet von E nach W abnimmt. Eine retrograde Überprägung ist aus Mineralen des Diagenese-Bereichs abzuleiten. Aus der tektonischen Entwicklung und den jeweiligen metamorphen Prägungen ist zu schließen, daß die Plattenkalk-Serie in den Versenkungsprozeß der Phyllit-Quarzit-Serie während der neohellenischen Orogenese im mittleren Tertiär einbezogen war. Für die tekto-metamorphe Entwicklung der Plattenkalk-Serie wird abschließend ein geodynamisches Modell vorgeschlagen.


In the Taygetos Mountains of the Peloponnesus the parautochthonous Plattenkalk series from bottom to the top consists of the meta-clastic Kastania beds upon them the well known carbonaceous sequence with cherts and finally the Vathia beds, a clastic formation which is entirely distinct from the Westhellenic flysch. This confirms that the Plattenkalk sedimentation took place in a region between the foreland of the Hellenides and the Ionian trough. The whole series is characterized by polyphase compressional tectonics and a synkinematic metamorphism. Gentle dipping overthrusts, extended areas with reversed stratigraphic sequences and scales are typical. Three generations of homoaxial folds are devel opped. The fold axes are orientated N/S within the northern Taygetos and NNW/SSE within the other areas of investigation. Together with the folding processes of cleavage occurred. The tectonic stock is completed by boudins, kink zones and lineations. The extent and the course of the deformational history was deduced also from the analysis of quartz-grain-fabrics and of the adjustment of quartz-c-axes. A prograde metamorphism, documented by the recrystallisation of quartz and the synkinematic growth of chloritoid, did not exceed the very-low-grade range. X-ray analysis of sheet silicates prooved that the metamorphic grade decreases from W to E. A retrograde metamorphism is indicated by minerals of the diagenetic realm. From the tectonic and metamorphic data it was concluded that the Plattenkalk series was incorporated into subduction of the Phyllite-Quarzite series during the Neohellenic orogenic phase during the Middle Tertiary. Finally a geodynamic model is proposed for the paleogeographic position of the Plattenkalk series and its tectono-metamorphic development.

Subjects
Tektonik