DFG-Projekt Abschlussbericht "Wasser und Kult im Heraion von Samos"
Heiden, Joachim
Fahlbusch, Henning
DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10494
Abstract
Im DFG-Projekt Wasser und Kult des Heraion wurden die wasserwirtschaftlichen Anlagen des Heraheiligtums auf der griechischen Insel Samos unter Federführung des Deutschen Archäologischen Instituts untersucht, die Technische Hochschule Lübeck erforschte den umwelthydrologischen Kontext. Das Projekt Wasser und Kult des Heraions liefert eine systematische einzugsgebietsbezogene hydrologische und hydrogeologische Analyse der Anlagen, die sich von einem kleinen Heiligtum mit Altar am Anfang des 10. Jhdt. v. Chr. zu der von Herodot erwähnten größten Tempelanlage der Griechen entwickelt haben. Aus dem Projekt ließen sich neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie das Heraion an die oberirdischen Einzugsgebiete des Ampelos-Gebirges angeschlossen ist. Der Tempel des Heraions liegt in einer außergewöhnlichen hydrologischen Gunstlage und stellt den Konzentrationspunkt von oberirdischen Einzugsgebieten dar, die Wasser in die Kamposebene leiten, an deren küstennahem Ende sich der Tempel der Hera befindet. Mit einem numerischen Grundwassermodell konnte gezeigt werden, dass eine Kaskade von Grundwasserleitern oberhalb des Heraions ein außerordentlich resilientes System bildet und selbst bei mehrjährigen Dürreereignissen die Brunnen noch Wasser liefern. Der Kult der Hera scheint eng mit der hydrologischen Lage, der Konzentration von Oberflächenwasser und vor allem dem hydrogeologischen System in Verbindung zu stehen. Die Sedimente im Bereich des Tempels wurden durch eine detaillierte Aufnahme einer Reihe von Bohrprofilen untersucht und mit 14C-Funden organischen Materials datiert. Aus diesen Profilen konnte die Sedimentationsrate im Bereich des Heraions mit ca. 1 Millimeter pro Jahr (Kremers, 2017) und daraus die Sedimentationsgeschichte der letzten 3000 Jahre rekonstruiert werden. Diese deutet auf Flussumlagerungen des Flusses Imbrasos von einem ursprünglichen Flussarm im Gebiet des Heraions in zunehmend westlicher Richtung zum heutigen Verlauf hin, was die wasserbaulichen Schutzbauten am westlichen Tempelfundament erklärt. Der ursprüngliche Verlauf korreliert mit der Lage der Brunnen, welche sich aus einem kiesigen Altarm speisen. Mit Isotopenuntersuchungen des Grundwassers der Brunnen im Heraion konnte die Herkunft des Quellwassers geklärt werden. Es zeigte sich, dass insbesondere an der Quelle des Altares, des Ursprunges des Herakultes, besonders alte und schwefelwasserstoffhaltige Komponenten austreten. Die Ergebnisse belegen die hohe Resilienz der Wasserversorgung auf Grund der besonderen Lage des Heraions. Eine genaue Vermessung der Brunnen zeigte, dass die nur im Heraion zu dieser Zeit dokumentierten Grundwasserlaufbrunnen eine nachhaltige Nutzung des Grundwassers zudem ohne Versalzungsrisiken erlaubten und damit Vorläufer heutiger Horizontalbrunnen sind. Insgesamt hat das Projekt das große Potential der interdisziplinären Kopplung von archäologischen und quantitativen umwelthydrologischen Studien gezeigt.
