Kurzmitteilungen
DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10543
Abstract
[…] Im Beitrag werden intrapleistozäne endogene Deformationen im Top der Struktur Rüdersdorf bei Berlin untersucht, einer geologisch seltenen Situation, in der mesozoische Festgesteine direkt von quartären Ablagerungen überlagert werden und dadurch geomechanische Veränderungen sichtbar bleiben. Grabungen im Bereich des Mittleren Muschelkalks zeigen, dass die Schichtflächen durch Gletscherschrammen der Elster- und Saalekaltzeit deformiert wurden. Die beobachteten Strukturen umfassen flache Abschiebungen, Biegungen, Aufwölbungen und Schichtversätze, die auf horizontale Bewegung sowie Schubprozesse hinweisen. Sekundäre Deformationen an den gekritzten Muschelkalkflächen bestätigen ein Zusammenspiel aus glazialer Überprägung, Materialumlagerung und exogenen Kräften. Eine eindeutige zeitliche Trennung zwischen glazial und endogen ist schwierig, jedoch sprechen mehrere Indizien für spätere, postsaalezeitliche Bewegungen, die zusätzlich zu den ehemals wirkenden Gletscherprozessen stattgefunden haben. Die Untersuchungen liefern damit seltene geologische Hinweise auf neotektonische Aktivität in einer Region, die ansonsten nur schwer analysierbare quartäre Überdeckungen aufweist.
Subjects
neotektonikstrukturgeologie
quataergeologie
glazialtektonik
pleistozän
muschelkalk
rüdersdorf
saalekaltzeit
elsterkaltzeit
schichtverformungen
gletschererosion
schubverformungen
endogenedeformation
brandenburg
stratigraphie

