Die Erkundung des "relativ Unbekannten" - Spülbohrungen (> 200 m Teufe) als Lückenschluss zwischen flachen und tiefen Bohrungen in Niedersachsen

Engeler, Alexander
Fischer, Kerstin
Meinsen, Janine
Pierau, Roberto
Wangenheim, Cornelia

DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-11200
Engeler, Alexander; Fischer, Kerstin; Meinsen, Janine; Pierau, Roberto; Wangenheim, Cornelia, (Ed.),2024: Die Erkundung des "relativ Unbekannten" - Spülbohrungen (> 200 m Teufe) als Lückenschluss zwischen flachen und tiefen Bohrungen in Niedersachsen. In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge; 2024; Band 31, Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-11200. 

Abstract

[…] Der geologische Untergrund Niedersachsens ist auf den ersten Blick durch zahlreiche Bohrungen gut bekannt. Allerdings reicht ein Großteil dieser Bohrungen aufgrund des Bohrzwecks, wie hydrogeologische Bohrungen oder Erdwärmebohrungen, nur bis in Teufenbereiche von rund 100 bis 150 m. Tiefbohrungen aus der Kohlenwasserstoff-Industrie liefern umfangreiche geologische Informationen aus dem tiefen Untergrund, enthalten allerdings meist limitierte Informationen in den obersten hunderten Metern. Der Abschnitt zwischen 150 m und ca. 400 m ist regional nur wenig bzw. lückenhaft erkundet, sodass selbst im Fall einer insgesamt hohen Bohrungsdichte manche Fragestellungen nur unzureichend beantwortet werden können. Dazu zählen genaue Angaben zur Quartärbasis, die am Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) gerade landesweit überarbeitet wird, Fragen zum Aufbau und zur Genese tiefer quartärer Rinnen sowie zur Verbreitung und Ausdehnung von Altmoränen. Um diese Lücken zu schließen, werden am LBEG seit 2013 Tiefbohrungen bis 400 m Teufe durchgeführt, die überwiegend im Rotary-Spülbohrverfahren niedergebracht werden. Die dabei gewonnenen Daten – wie kontinuierliche Aufnahmen der Abfolge von Spülmaterialien, geophysikalische Bohrlochmessungen und geologische Kernbohrungen – werden systematisch archiviert und ausgewertet. Das Projekt „Geowissenschaftliche Grundlagen“ etabliert und wird seit 2022 angewandt. Die dabei erarbeiteten geowissenschaftlichen Informationen qualifizieren diese Bohrungen als regionalgeologische Referenzbohrungen. Eine wichtige Grundvoraussetzung für den Erfolg der Datengewinnung ist ein guter Dialog mit den durchführenden Bohrunternehmen, da für verlässliche Daten aus Spülbohrungen bestimmte technische Anforderungen eingehalten werden müssen und sich die Qualifikation des Bohrteams wesentlich auf die Datenqualität auswirkt. Umgekehrt tragen die gewonnenen Daten erheblich zur Verbesserung der Planungssicherheit für zukünftige Bohrtätigkeiten bei.