Geologischer Bau und Genese der Stauchendmoräne Muskauer Faltenbogen

Kupetz, Manfred
LBGR Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg

DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10654
Kupetz, Manfred, LBGR Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (Ed.),1997: Geologischer Bau und Genese der Stauchendmoräne Muskauer Faltenbogen. In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge; Band 2; 1997, DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10654. 

Abstract

[…] Der Muskauer Faltenbogen ist, obwohl er den Eindruck einer ideal zungenförmigen Stauchendmoräne erweckt, nur der Erosionsrest einer ehemals sehr viel höheren und flächenmäßig ausgedehnteren glazitektonischen Stauchungsstruktur in braunkohleführenden oligozänen und miozänen Lockersedimenten. In der Fläche existierten ehemals drei strukturdiskonform ineinandergeschachtelte Teilbögen, deren beide nördlichen durch die Anlage eines elsterzeitlichen Beckens erodiert worden sind. Daraus leitet sich ein mit der Ansicht von Wolf & Schubert (1992) übereinstimmendes früh-elster-2-zeitliches Deformationsalter ab. Bei den Deformationsformen werden rupturale (Rotationsschuppen) und plastische (Diapire und großdimensionale Biegefließfalten) unterschieden und in eine räumliche Abfolge gebracht. Genetisch werden die plastischen Formen dem Deformationsprozeß unter der Eisauslast und die rupturellen Formen dem subaerischen Deformationsprozeß vor dem Eis bzw. dem Eisrandbereich unter geringer Eisauslast zugeordnet (Abb. 8). Aus der Rekonstruktion des prädeformativen Schichtenprofils und dem Vergleich mit Beobachtungen an rezenten Gletschern wird abgeleitet, daß der Faltenbogen das Ergebnis eines mindestens dreiphasigen möglicherweise auch vierphasigen, aber einaktigen surge-Ereignisses ist. Dabei wurde das tertiäre Lockergebirge ca. 110–180 m über Gelände­höhe aufgestaucht, die Deformation erreichte eine Tiefe von max. 270–290 m und der heutige erosive Anschnitt des Muskauer Faltenbogens liegt etwa in halber Höhe der ursprünglichen Stauchungshöhe.