Der Südrand des Hohen Atlas zwischen Toundout und Goulmima (Marokko)
Persistent URL: http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?gldocs-11858/11949
DOI: 10.23689/fidgeo-6255
Abstract
Für die Erfassung großräumiger strukturgeologischer Zusammenhänge am Südrand des zentralen Hohen Atlas zwischen Toundout und Goulmima wurden Luftbilder und LANDSAT-Szenen ausgewertet. Neben der visuellen Interpretation der Satellitenbilder konnten Methoden der Bildverbesserung integriert werden. In ausgewählten Gebieten wurden Geländekontrollen durchgeführt. Im zentralen Hohen Atlas (Kalk-Atlas) sind zwei Stockwerke zu unterscheiden: ein variszisch geprägter Sockel und das mesozoische Deckgebirge. Letzteres besteht überwiegend aus Rotserien der Trias und marinen Karbonaten des Jura, die in einer intrakontinentalen Riftstruktur abgelagert wurden. Während im westlichen Abschnitt des Untersuchungsgebietes auf weite Erstreckung das präkambrisch-paläozoische Grundgebirge bis in Höhen über 3000 m aufgeschlossen ist, bleibt der Sockel im östlichen Abschnitt von den mächtigen mesozoischen Serien bedeckt. Diese Deckschichten sind – von Westen nach Osten zunehmend - in differenzierte Faltenstrukturen gegliedert. Die Synklinalen sind breiter und haben einen gleichmäßigeren Bau als die Antiklinal Strukturen, denn diese sind häufig eng und asymetrisch. In einigen Gebieten konnte nachgewiesen werden, daß sich Auf- /Überschiebungen aus ungestörten Antiklinalstrukturen durch Zerscherung entwickeln und lateral von weiteren Auf- /Überschiebungen abgelöst werden. Sowohl im zentralen Hohen Atlas als auch in der Südatlas-Randzone dominieren ENE/WSW- NNE/SSW- sowie N/S-verlaufende Lineationen, die auf eine Reaktivierung älterer, im variszischen Basement angelegter Bruchsysteme zurückgeführt werden. Am Südrand des zentralen Hohen Atlas liegt die Südatlas-Randzone. Es handelt sich um einen nur wenige Kilometer breiten Streifen, der weithin aus Sedimenten der Kreide und des Tertiär auf gebaut wird. Im westlichen Abschnitt sind diese Serien intensiv verfaltet und verschuppt, im östlichen fehlt das Tertiär, und die Kreidesedimente sind nur wenig deformiert. Während im Westen gravitative Deformation vorherrscht, sind von Roumaine nach Osten verstärkt Anzeichen für kompressive Deformation zu beobachten. Im Gegensatz zum Bereich der Jura-Kalke des zentralen Hohen Atlas nimmt in der Südatlas-Randzone der Grad der Deformation von Westen nach Osten ab. Daraus ergibt sich für den Westteil ein starker Gegensatz im Deformationsbild zwischen dem Kalk-Atlas und der Südatlas-Randzone, während im Ostteil (östlich Tinerhir) zwischen beiden nur graduelle Unterschiede vor Liegen. Hier herrscht kompressive Deformation vor. Im Grenzbereich zwischen dem Kalk-Atlas und der Südatlas-Randzone dominieren südvergente Überschiebungen, die einander im Streichen "en echelon" ab Lösen. Da tertiäre Ablagerungen fehlen, kann das Alter dieser Strukturen nicht exakt bestimmt werden. Im Westen, im Gebiet von Toundout, werden die intensiv verfalteten Kreide-Tertiär-Serien von den Jura- Kalken der "Decke von Toundout" überschoben. Die Ursache für die Deformation in diesem Abschnitt wird im wesentlichen auf gravitative Tektonik zurückgeführt, die in Verbindung mit der Heraushebung des Hohen Atlas zu sehen ist. Während der Heraushebung, die im Unter-Miozän bis frühen Mittel-Miozän erfolgte, wurden kontinentale Serien des Neogen auf der "Decke von Toundout" abgelagert und z.T. in die Deformation mit einbezogen. Im Süden schließt an die Südatlas-Randzone das Becken von Ouarzazate an. Die neogenen und quartären Ablagerungen dieses Beckens werden bereichsweise von der Südatlas-Randzone überschoben. Sowohl die Überschiebungen des Jura als auch die der Südatlas-Randzone zeigen überwiegend Südvergenz. Am Südrand des zentralen Hohen Atlas zwischen Toundout und Goulmima ist der von vielen Autoren postulierte tiefgreifende, weit durchstreichende "grand accident sud atlasien" strukturell nicht nachweisbar. Es weist jedoch vieles auf ein vormesozoisches Bruch- und Störungssystem im Sockel hin.
Die post-eozäne, wahrscheinlich unter-miozäne bis mittel-pliozäne Kompressionstektonik im zentralen Hohen Atlas, fiel mit den durch plattentektonische Vorgänge verursachten orogenen Deformationen im mediterranen Raum zusammen. Es wird vermutet, daß nicht nur die Faltung im zentralen Hohen Atlas, sondern auch die "Inversion" des Riftgrabens von gebirgsbildenden Vorgängen im mediterranen Raum verursacht und gesteuert wurden.
Investigations of the structural geology of the southern rim of the central High Atlas are based mainly on the interpretation of aerial photographs. Satellite imagery was used to incorporate the results within a broader framework. In addition to the visual image interpretation, studies using image processing methods were conducted. The photointerpretation was checked in several areas, which are believed to exhibit geological and structural phenomena of key interest. The central High Atlas ("Calcareous Atlas") is built up by the Variscan basement and a cover of more than 2000 m of Triassic red beds, Jurassic limestones and marls deposited in an early Mesozoic rift graben system. Whereas in the western part of the working area, the basement crops out even at high elevations, in the eastern section, it is completely covered by the Mesozoic sequence. From west towards east they are increasingly folded to broad and open synclines and narrow anticlines. These anticlines are partly overturned towards the south. In some areas, it has been proved that these anticlines develop into moderate angle south directed thrusts. In the central High Atlas as well as in the South Atlas Marginal Zone ENE/WSW-, NNE/SSW- and partly M/S- striking linear structures dominate. These structures seem to be related to a reactivation of older lineaments of the Variscan basement. The southern border of the High Atlas is the "South Atlas Marginal Zone" which is formed by Cretaceous to Tertiary marine and continental sediments. These sediments, especially in the western part of the study area, are much more intensively folded. Whereas in the western part the deformation has mainly been caused by gravity tectonics, eastward of Boumalnean increase of compressional deformation can be observed. As in the High Atlas southwards vergency dominates. But in contrast to the High Atlas the intensity of the deformation in the marginal zone decreases from west towards east. Therefore, there is a sharp contrast between the High Atlas and the South Atlas Marginal Zone in the western part of the study area. On the other hand, in the eastern part, east of Tinerhir, there is even a gradational transition between the intensity and the style of deformation between the High Atlas and the South Atlas Marginal Zone. The deformation in this whole area is due to compressional folding, which slowly diminishes towards the south without a pronounced borderline against the Sahara platform. To the north the marginal zone is bounded by a number of different thrusts which alternate with each other in an ENE-WSW "en echelon" directed structure. Since Palaeogene or Neogene sediments are missing, the exact time of the deformation in the east remains an open question. In the western part-area of Toundout - the intense deformation of the South Atlas Marginal Zone is considered to have been caused largely by gravity tectonics due to a sharp uplift of the High Atlas during Early Miocene - earliest Middle Miocene time. This is best demonstrated by the "nappe of Toundout", a large slab of Jurassic limestone situated today above folded Cretaceous to Neogene sequences. On top of this nappe continental Neogene has been deposited. The South Atlas Marginal Zone borders and partly overthrusts towards the south to the Neogene-Quarternary basin of Ouarzazate. In the whole region, "le grand accident sud atlasien", the continuous huge fault postulated by many authors could not be observed. Otherwise there are several hints for pre-Mesozoic fault system in the basement.
For the compressional folding of the central High Atlas an age of early Miocene to early Middle Miocene seems most probable. This coincides with the plate collisions and the orogenic processes in the Mediterranean area. It is therefore assumed that the uplift and folding of the High Atlas is caused by these processes in the Mediterranean area.

