Das Erdbeben "Prignitz 1409" im Lichte der tektonischen Analyse des Ruptursystems in der Pfarrkirche zu Wittstock

Meier, Rudolf
Franzke, Hans Joachim
LBGR Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg

DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10546
Meier, Rudolf; Franzke, Hans Joachim, LBGR Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (Ed.),1995: Das Erdbeben "Prignitz 1409" im Lichte der tektonischen Analyse des Ruptursystems in der Pfarrkirche zu Wittstock. In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge; Band 2; 1995, DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10546. 

Abstract

[...] Nach J. C. Stein (1697) sollen rupturelle Schäden am Turm der Pfarrkirche zu Wittstock im nordwestlichen Brandenburg durch Erdbeben zu Beginn des 15. Jh. entstanden sein. Die modernen deutschen Erdbebenkataloge führen für diese Zeit zwei seismische Ereignisse auf, die 1410 und 1412 in der Prignitz stattgefunden haben sollen und ordnen diesen die Intensitäten von I = VII (MSK) bzw. I = V (MSK) zu. Das Rupturensystem im Turm der Wittstocker Pfarrkirche wurde mit Hilfe der tektonischen Analyse untersucht und festgestellt, dass ein System reiner Zugklüfte entwickelt ist, eigenständige Scherklüfte dagegen vollständig fehlen und daher direkte Erdbebeneinwirkung als Ursache für die Rupturentstehung weitestgehend auszuschließen ist. Ergänzend durchgeführte bautechnische Untersuchungen weisen konstruktive Mängel als Grund für die Rupturbildung im Turm der Kirche nach. Quellenrecherchen (Grünthal & Meier 1995, dieses Heft) ergaben, dass sich 1410 im norddeutschen Raum kein Erdbeben, aber 1409 ein solches im Gebiet von Magdeburg ereignete. 1412 fand in Norddeutschland kein Erdbeben, sondern ein Sturmereignis statt. Alle Untersuchungen zusammen führen zum Schluss, dass für 1409 kein stärkeres Erdbeben für Norddeutschland nachweisbar ist, dass die Schäden am Turm der Pfarrkirche zu Wittstock verantwortlich wäre.