Abschlussbericht zu den DFG-Projekten „Geometrie, Chronologie und Dynamik der letzten pleistozänen Vergletscherung des Schwarzwaldes“ und „Chronologie der Vergletscherung des Südschwarzwaldes nach dem spätpleistozänen Vergletscherungsmaximum"
Hofmann, Felix Martin
DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10917
Abstract
Das Ziel der Projekte bestand in einer umfassenden Rekonstruktion der letzten Vergletscherung des Südschwarzwaldes. Dabei stand folgende Frage im Mittelpunkt: „Wann erreichte die Vergletscherung im Schwarzwald ihr letztes Maximum?“. Bei der kritischen Begutachtung bisheriger Kartierungen von Moränen stellte sich heraus, dass sich bisherige Autoren in Bezug auf die Lage und Korrelation von Moränen widersprechen. Einige als Moränen angesprochene Landformen konnten nicht als solche bestätigt werden. Gleichzeitig gelang es, zahlreiche Moränen erstmals zu beschreiben. Für die Altersbestimmung von Eisrandlagen mittels Oberflächenexpositionsdatierungen wurden 69 Blöcke auf Moränen beprobt. Blöcke auf Moränen nahe des Maximalstands der letzten Vergletscherung weisen ein mittleres Alter von ~24.000 Jahren auf. Aufgrund der begrenzten Zahl der Blöcke muss dieses vorläufige Alter im Rahmen zukünftiger Forschungsaktivitäten noch besser abgesichert werden. Altersbestimmungen an Moränen nordöstlich des Feldbergs erbrachten Alter von 17.000–16.000 Jahren für Moränen, die mit der Phase der Talvergletscherung in Verbindung stehen. Während der nachfolgenden Phase der Karvergletscherung (um 14.000 Jahre vor heute) bildeten sich vor dem endgültigen Rückschmelzen der Gletscher weitere Moränen. Altersbestimmungen an Seeablagerungen, die auf einer solchen Moräne im Feldseekar östlich des Feldbergs, des höchsten Punktes des Schwarzwaldes, abgelagert wurden, ergaben für die Moräne ein Minimalalter von 16470–15230 Jahren vor 1950 nach unserer Zeitrechnung. Dank der Bestimmung der Konzentration des Isotops 10Be in Blöcken auf dem unbedeckten Teil der Moräne gelang es, die Zunahme der Konzentration dieses Isotops zu berechnen. Dank dieser Untersuchung konnte die Berechnung von Oberflächenexpositionsalter in den Mittelgebirgen Zentraleuropas verfeinert werden. Im Rahmen einer zweiten Methodenstudie gelang es, eine Werkzeugbox für die Berechnung der topografischen Abschirmung in einem Geographischen Informationssystem zu validieren. Ein weiteres Ziel bestand in der Erarbeitung von Empfehlungen für die möglichst präzise Ermittlung von Abschirmungsfaktoren mittels digitaler Geländemodelle. Dank der computergestützten Rekonstruktion der ehemaligen Gletscher im Südschwarzwald, der Berechnung ihrer Gleichgewichtsdaten und die Hinzunahme eines globalen Datensatzes zu Niederschlag-Temperatur-Beziehungen an Gleichgewichtslinien und unabhängigen regionalen Temperaturdaten konnten die Niederschläge während der Rückschmelzphase der Gletscher berechnet werden. Aufgrund von Unsicherheiten der verwendeten Methodik und des starken Einflusses von Schneeverwehung und Lawinenabgängen auf die Massenbilanzen der Gletscher weisen die rekonstruierten Niederschlagswerte eine erhebliche Unsicherheit auf. Ungeachtet dessen trägt das Projekt zu einem erheblichen Fortschritt in der Erforschung der Vergletscherungen Mitteleuropas dar, da mit insgesamt 65 Oberflächenexpositionsaltern von Blöcken auf Moränen der größte Altersdatensatz zu Gletscherschwankungen für ein Mittelgebirge in Zentraleuropa generiert wurde.
Subjects
VergletscherungSchwarzwald
Moräne
Glazialmorphologie
Terrestrische kosmogene Nuklide
Radiokohlenstoffdatierung
Gletscher
Paläoklimatologie

