Hydrogeologische Verhältnisse im brandenburgischen Abschnitt des Odertales

Hotzan, Gerhard
LBGR Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg

DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10688
Hotzan, Gerhard, LBGR Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (Ed.),1998: Hydrogeologische Verhältnisse im brandenburgischen Abschnitt des Odertales. In: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge; Band 2; 1998, DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10688. 

Abstract

[…] Die Oder bildet auf einer Länge von ca. 161,7 km die Ostgrenze des Landes Brandenburg. Nur ca. 5 % der Gesamtfläche des Einzugsgebietes erstrecken sich auf brandenburgischem Territorium. Dennoch besitzt dieses Gebiet aus hydrogeologischer Sicht eine große Bedeutung, da sich hier einerseits größere Siedlungs- und Industriezentren befinden (Eisenhüttenstadt, Frankfurt /Oder, Eberswalde, Schwedt), deren Wasserversorgung zu gewährleisten ist und andererseits sich insbesondere im Odertal eingedeichte landwirtschaftliche Nutzflächen erstrecken, deren Bestand direkt von der genauen Kenntnis der hydrologischen und hydrogeologischen Verhältnisse in diesem Bereich abbängt. Auch für den Naturpark “Unteres Odertal” ist die Kenntnis und Berücksichtigung der hydrogeologischen Verhältnisse von größter Bedeutung. Zum Einzugsgebiet der Oder gehören aus hydrogeologischer Sicht nicht nur das unmittelbare Odertal, sondern auch große Bereiche der angrenzenden Hochflächen.Die Oderniederung weist erosionsbedingt das tiefste Niveau des Einzugsgebietes auf. Aufgrund der Niederschlagsarmut in diesem Gebiet und der großflächigen Verbreitung von als Grundwassergeringleiter wirkenden organogenen (Torf, Mudde) und bindigen Sedimenten (Auetton) im Hangendbereich des Grundwasserleiters sind die Grundwasserneubildungsprozesse stark eingeschränkt. Die Eindeichung der Stromoder bewirkte, daß das Niveau des Vorfluters z.T. heute mehrere Meter über dem Niveau der Oderniederung liegt. Da während der Bauarbeiten, die vor ca. 250 Jahren begannen, keine Abdichtung des Flußbettes vorgenommen wurde, erfolgt eine Speisung des unbedeckten Grundwasserleiters durch den Vorfluter. Da die hydrodynamischen Verhältnisse der Flußaue durch die Eindeichung gestört wurden, besteht die Notwendigkeit, durch künstliche Wasserhaltungsmaßnahmen dafür einen Ausgleich zu schaffen. Zur Regulierung der Wasserstände im Oderbruch und den Polderflächen wurde ein umfangreiches System von Meliorationsgräben angelegt. Über Schöpfwerke erfolgt die Überleitung dieser Wässer zur Oder. Die Grundwasserqualität im Einzugsgebiet der Oder wird einerseits durch die Grundwässer der bedeckten Grundwasserleiter der Hochflächen sowie die Neubildungswässer mit ihren spezifischen Beschaffenheiten, andererseits durch die anthropogen beeinflußten Drängewässer des Vorfluters geprägt. Anthropogene Kontaminationen in den Polderbereichen und im Oderbruch werden durch die langandauernde landwirtschaftliche Nutzung und den damit verbundenen Düngemitteleinsatz (Nitrat) verursacht. Auch das Oderwasser ist anthropogen beeinflußt und hat als Drängewasser einen bedeutenden Einfluß auf den Grundwasserchemismus der Region.