DFG Abschlussbericht: Einfluss von Veränderungen der Flusslandschaft auf alte Siedlungen entlang des Nan River, Nordthailand
Wilk, Jakob
DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10963
Abstract
Zahlreiche Studien haben die Bedeutung natürlicher Umweltbedingungen für die Entwicklung historischer Gesellschaften herausgestellt. Die Anpassung gesellschaftlicher Strategien kön-nen neben Naturkatastrophen aber auch subtile und weniger dramatische Veränderungen sein. Die individuellen Auswirkungen und ihre zeitlichen Dimensionen müssen jedoch in jeder Region individuell analysiert werden. In manchen Landschaften verlagern sich die Rinnen von mäandrierenden Flüssen zu und von Siedlungen weg, die entweder überflutet oder von der Wasserversorgung und wichtigen Transportwegen abgeschnitten wurden. Ziel dieses Projekts ist es, die Wechselwirkung zwischen Flussdynamik und der Reaktion lokaler Gemeinschaften im Gebiet des Nan-Flusssystem in Nordthailand zu untersuchen. Unsere Ausgangshypothese war, dass die natürliche Dynamik des Nan-Flusses einen großen Einfluss auf die Siedlungs-strategien in der Region hatte. In dieser Studie wurde Fernerkundung in Kombination mit Feld-forschung verwendet, um vergangene Konfigurationen des Flusssystems zu entschlüsseln. Diese Rekonstruktionen wurden, soweit möglich, mit Angaben aus historischen Dokumenten verglichen. Das erfolgte anhand von vier Unterprojekten. (1) Es konnte gezeigt werden, dass im Gegensatz zu früheren Annahmen das Überschwemmen einer Produktionsstätte im 15. Jahrhundert für Töpferwaren nicht zum Auslöschen der Lanna-Keramikgruppe führte. Diese wurde nach unseren Datierungen vor Ort mindestens bis um das Jahr 1700 n. Chr. produ-ziert. (2) Es wurde das Alter von zwei Stadtmauern der Stadt Nam bestimmt, wobei eine am Ende des 19. Jahrhundert als Teil des Wiederaufbaus der Stadt erfolgte. Hier scheinen eher kulturelle Gründe als Verteidigungsaspekte eine Rolle gespielt zu haben. Die ältere Stadtmau-er datiert in das 16. Jahrhundert und wurde offenbar während des 1. Burma-Krieges errichtet. Die Struktur lässt vermuten, dass diese Mauer auch eine Rolle beim Hochwasserschutz spiel-te. (3) Hauptaspekt dieses Projektes war die Rekonstruktion der Flussdynamik östlich der heutigen Stadt Nan. Im Gegensatz zu unseren ursprünglichen Erwartungen zeige sich, dass die Ablagerung mindestens bis ca. 30,000 Jahre vor heute zurückreicht. Eine Häufung von Altern findet sich ab dem Jahr 1000 n. Chr., ab wann mit einer verstärken Bodenerosion durch zunehmenden Ackerbau zu rechnen ist. Überaschenderweise zeigte sich, dass der überwiegende Teil der Flussablagerungen durch die kleinen Nebenflüsse des Nan abgelagert wurden. Deren Rolle sollte bei der Planung des Hochwasserschutzes in der Region unbedingt bedacht werden. (4) Nördlich der Stadt Nan wurde eine initiale Studies zur Entschlüsselung der natürlichen Flussdynamik durchgeführt. Im Gegensatz zum direkten Umfeld von Nan-Stadt fand sich dort eine Dominanz des Nan-Flusses, der zahlreiche Altarme hinterlassen hat und die Ebene dominiert. Hier zeigen sich deutlich höhere Sedimentationsraten in den Gerin-nen. Für eine umfassende Analyse müssten aber noch umfangreiche Arbeiten durchgeführt werden.
Numerous studies have emphasised the importance of natural environmental conditions for the development of historical societies. In addition to natural disasters, the adaptation of social strategies can also involve subtle and less dramatic changes. However, the individual effects and their temporal dimensions must be analysed individually in each region. In some land-scapes, the channels of meandering rivers shift towards and away from settlements that have either been flooded or cut off from water supply and important transport routes. The aim of this project is to investigate the interaction between river dynamics and the response of local communities in the Nan River system in northern Thailand. Our initial hypothesis was that the natural dynamics of the Nan River had a major influence on settlement strategies in the re-gion. In this study, remote sensing was used in combination with field research to decipher past configurations of the river system. These reconstructions were, as far as possible, com-pared with information from historical documents. This was done on the basis of four sub-projects. (1) It was shown that, contrary to previous assumptions, the flooding of a pottery production site in the 15th century did not lead to the extinction of the Lanna pottery group. According to our dating, these were produced on site until at least around AD 1700. (2) The age was determined for two city walls, one of which was built at the end of the 19th century as part of the reconstruction of the city. Cultural reasons rather than defence aspects seem to have played a role here. The older city wall dates back to the 16th century and was apparently built during the 1st Burma War. The structure suggests that this wall also played a role in flood defence. (3) The main aspect of this project was the reconstruction of the river dynamics east of the present-day city of Nan. Contrary to our original expectations, the deposits were found to date back to at least 30,000 years before today. An increase of accumulation is found from around the year AD 1000, from when increased soil erosion due to increasing agriculture can be expected. Surprisingly, we observe that the majority of the river sediments were deposited by the small tributaries of the Nan. Their role should definitely be considered when planning flood protection in the region. (4) An initial study was carried out north of the city of Nan to decipher the natural river dynamics. In contrast to the immediate surroundings of Nan city, the Nan River was found to be dominant there, having left behind numerous oxbow lakes and obviously dominating the plain. The sedimentation rates in the channels are significantly high-er here. However, extensive work still needs to be carried out for a comprehensive analysis.

