Neue Erkenntnisse aus alten Daten? - Digitalisierung und Auswertung mikropaläontologischer Berichte
DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-11201
Abstract
[…] Die DDR entwickelte sich aufgrund anhaltender Rohstoffknappheit und Autarkiebestrebungen, befeuert durch die Planwirtschaft, zu einem der geologisch am gründlichsten erforschten Länder weltweit. Da die Ergebnisse dieser Forschung oft Fragen der nationalen Sicherheit, z. B. Rohstoff- und Energiereserven betrafen, blieben sie lange unter Verschluss. Wir stehen heute vor der Herausforderung, diesen reichen Fundus aus den Archiven zu heben, die Daten zu extrahieren und für die geologische Landesaufnahme sowie die Forschung nutzbar zu machen. Die lithologisch-paläogeographischen Karten der DDR im Maßstab 1:500 000 (LPK), zwischen 1970 und 1979 erstellt, bieten eine umfassende Übersicht über die Lithologien des tieferen Untergrunds der ostdeutschen Bundesländer und bilden die einzige in sich konsistente Datengrundlage zu diesem Themenkomplex und liegen seit 2019 in digitaler Form vor. In den folgenden Jahrzehnten, während der Erdöl-/Erdgas-Exploration durch den VEB Kombinat Erdöl-Erdgas Gommern, wurden umfangreiche Erkenntnisse aus mikropaläontologischen Berichten gewonnen, die Aufschlüsse über die Stratigraphie, Faziesentwicklung und Paläogeographie liefern. Diese Berichte enthalten Angaben zu Foraminiferen, Ostrakoden und Pollen, die als Leitfossilien für die Gliederung des Tertiärs und Quartärs dienen. Ziel des Projekts ist die Digitalisierung und automatische Auswertung dieser Berichtsdaten, insbesondere der georeferenzierten mikropaläontologischen Funde. Dies erfordert eine Harmonisierung der teils veralteten taxonomischen Nomenklatur der Mikrofossilien, um die Daten mit aktuellen Informationen verknüpfen und so neue Erkenntnisse aus dem alten Datenbestand generieren zu können.

