Dolomit und Schwämme – ein organischer Zusammenhang – Unteres Kimmeridgium (Schwäbische Alb, Balingen, SW-Deutschland)

Koch, Roman
Schweitzer, Volker

DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10393
Koch, Roman; Schweitzer, Volker, 2025: Dolomit und Schwämme – ein organischer Zusammenhang – Unteres Kimmeridgium (Schwäbische Alb, Balingen, SW-Deutschland). In: DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10393. 

Abstract

Im ehemaligen Gemeindesteinbruch von Tieringen (westliche Schwäbische Alb) ist im Unteren Kimmeridgium eine ca. 17 m mächtige Folge von Bankkalken (Wohlgeschichtete-Kalke-Formation) aufgeschlossen, in die ein Schwamm-Mikroben-Mound (Lochen-Formation) von etwa 7 m Mächtigkeit und etwa 20 m lateraler Ausdehnung eingebettet ist. Der dolomitisierte Mound liegt heute als grobkristalliner Dedolomit mit Karst-Hohlräumen vor, deren Böden mit braun/rötlichem Kristallsand aus Dedolomit bedeckt sind. Der Mounds weist lokal Reliktstrukturen von Schwämmen, mikrobielle Lagen und stromatolithische Strukturen auf. Aufgrund der Einbettung in hangende und liegende Matrix-reiche Bankkalke (Mudstones, Wackestones) haben die Sedimente des Mounds keine wesentlichen diagenetischen Veränderungen erfahren, was durch die Ergebnisse der geochemischen Analysen (Isotope, Sr-Gehalte) unterstrichen wird. Der ehemalige Dolomit bildete sich etwa zeitgleich mit den dichten Kalksedimenten der Bankfazies. Daher kann eine frühdiagenetische Dolomitisierung etwa im Zusammenhang mit evaporitischen oder Mischwasser-Bedingungen ausgeschlossen werden. Die Dolomitisierung kann nur im Zusammenhang mit der frühen Zersetzung von organischem Material der Schwämme und der mikrobiellen Lagen interpretiert werden. Dabei führten Sulfat-reduzierende Bakterien zu einer Erhöhung der Alkalinität und zu günstigen Bedingungen für die Bildung von Dolomit. Der Dolomit des Schwamm-Mikroben-Mounds liegt heute als Dedolomit (Recalcit) vor, der subrezent durch Oberflächeneinflüsse gebildet wurde. Der Schwamm-Mikroben-Mound im Steinbruch von Tieringen stellt ein besonderes Zeugnis einer frühen Dolomitbildung unter Beteilung von organischem Material in den wohlbankten Kalken der der westlichen Schwäbischen Alb dar. Es sollte untersucht werden, ob dieses Modell der Bildung von Dolomit für mehrere Dolomit-Vorkommen im Weißjura Süddeutschlands ebenfalls zutrifft.